Save Rosia Montana – Kampf gegen den großen Goldraub in Rumänien

Kampf gegen den großen Goldraub in Rumänien

Kampf gegen den großen Goldraub in Rumänien

Von Gunnar Freudenberg

Proteste gegen die Zerstörung einer Naturlandschaft: Rosia Montana weckt Begehrlichkeiten, ruft aber auch Gegner des Raubbaus auf den Plan. Fotos: privat

Ein bisschen wie in Wermelskirchen und Umgebung sei es rund um Rosia Montana: waldreich, hügelig, idyllisch. “Vielleicht noch ein bisschen schöner”, sagt Andrea Romano. Seit über zehn Jahren besucht der 38-jährige Wermelskirchener mit italienischen Wurzeln mehrmals im Jahr das rumänische Karpaten-Dorf im Siebenbürgischen Erzgebirge. Allerdings nicht, “weil jedes gemachte Foto eine Postkarte sein könnte”, sondern weil dort seit Jahren ein erbitterter Kampf tobt.

Salvati Rosia Montana - Proteste

Salvati Rosia Montana – Proteste

Unter der Erde lagern Europas
größte Gold- und Silbervorkommen

Der Grund dafür liegt unter der Erde von Rosia Montana. Dort lagern die größten Gold- und Silbervorkommen Europas. Schon die Römer haben hier Gold abgebaut. Die Nachfrage ist bei einem stabilen Goldpreis auch heute natürlich groß – Rosia Montana weckt Begehrlichkeiten.

Rund 300 Tonnen Gold und 1500 Tonnen Silber will der extra für dieses Vorhaben gegründete kanadische Bergbaukonzern Gold Corporation aus der Erde holen. Vier Berge müssten dazu abgetragen werden, um das Gold daraus so schnell und effektiv wie möglich zu gewinnen. Mit Zyanidlauge sollen Gold und Silber aus dem Gestein herausgeschwemmt werden.

Der Goldrausch in der armen Region hat bereits begonnen. Rund 500 Millionen Euro hat das in Toronto an der Börse im notierte Minen-Unternehmen bereits in der Region Rosia Montana investiert. Doch der Preis ist auch in anderer Hinsicht hoch: Eine uralte Gemeinde und Naturlandschaft im Tal würde durch die verbliebene Schlacke nach dem Herausschwemmen verschwinden. “Und damit 2000 Menschen und ihre Geschichten”, sagt Andrea Romano. “Das wäre so, als wollte man Dhünn und Dabringhausen überschwemmen.”

Salvati Rosia Montana - Proteste

Salvati Rosia Montana – Proteste

“Als wollte man Dhünn
und Dabringhausen
überschwemmen.”

Andrea Romano

Mit systematischer Desinformationspolitik und Methoden wie Einschüchterung, Täuschung und Korruption – aus der Zeit jahrzehntelanger Diktatur noch bekannt – versuche die Gold Corporation ihre Interessen durchzusetzen. “Ihr Geld spaltet die Gemeinschaft und ganze Familien”, berichtet Andrea Romano. Viele Bewohner haben ihre Grundstücke bereits an das kanadische Unternehmen verkauft und sind weggezogen. Manche erhoffen sich Jobs im Tagebau. Eine kleine Gruppe möchte aber nicht weichen und sich in anonyme Neubauviertel verpflanzen lassen. Diese Gruppe wird unterstützt von der Organisation “Salvati (Rettet) Rosia Montana”, die inzwischen seit elf Jahren beseht. Mittendrin: Andrea Romano – als “eine Art Pressesprecher für den deutschsprachigen Raum”, wie er es selbst beschreibt.

Als “Vollzeit-Aktivist” bezeichnet sich der Wermelskirchener. Sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen, liegt im Naturell des gelernten Mediengestalters. “Ich mag es nicht, wenn Menschen Dinge einfach hinnehmen”, sagt der 38-Jährige. Früher habe er zum Beispiel massiv gegen Studiengebühren protestiert oder sich Kämpfe mit Nazis geliefert. Als Jugendsünden bezeichnet er manche Vorkommnisse. “Heute würde ich manches nicht mehr so machen, sondern gehe diplomatisch und sachlich vor.”

Salvati Rosia Montana - Mountains

Salvati Rosia Montana – Mountains

Freund bei einer Film-Doku über Pelikane im Donaudelta begleitet

Die Verbindung zu Rumänien kam 1999 zustande, als er einen Freund bei einer Film-Dokumentation über Pelikane im Donaudelta begleitete und als Kamera-Assistent half. So entstanden Kontakte zu Einheimischen, die nicht abrissen. 2003 kehrte Andrea Romano, der seit über 20 Jahren mit dem Projekt “G-Force Sound” für Reggae-Klänge in Wermelskirchen und weit darüber hinaus sorgt, zunächst als Musiker zurück und trat beim Fãn-Fest in Rosia Montana auf.

Fãn steht für Stroh. Während dieses Protestfestes, das einmal im Jahr stattfindet, werden Strohballen aufgestellt, auf denen die Gäste übernachten. Neben Musikbeiträgen gibt es Ausstellungen, Vorträge und Seminare, die über den “Goldraub” aufklären sollen. Organisiert wird das Fest von “Salvati Rosia Montana”.

“Mittlerweile ist es das größte Umwelt-Festival in Rumänien”, sagt Andrea Romano, der erst vor vier Wochen aus Rumänien zurückgekehrt ist. 1500 Touristen seien in diesem Jahr in die Karpaten gekommen. Inzwischen unterstützten die meisten Intellektuellen – Musiker, Schriftsteller und Künstler – die Proteste. Romano: “Es stößt vielen auf, dass man hier als armes Land auf einer Goldader sitzt, aber andere profitieren werden. Und dass noch dazu eine Naturlandschaft nicht geschützt werden soll.”

“Wir bleiben am Ball
und lassen uns nicht
unterkriegen.”

Der “Vollzeit-Aktivist”

Dass der Goldabbau in großem Stil bis jetzt blockiert wurde, habe auch mit dem Einsatz von “Salvati Rosia Montana” zu tun. Die Organisation betreibt nicht nur Aufklärung, sondern kämpft auch mit Anwälten und anderen Organisationen wie Greenpeace an ihrer Seite gegen das Vorgehen der Gold Corporation. Was hilft: Seit dem Beitritt zur Europäischen Union vor sechs Jahren muss Rumänien EU-Umweltstandards beachten.

2008 wurde das Genehmigungsverfahren vorerst gestoppt. Die Gold Corporation geht trotzdem davon aus, dass es eine Frage der Zeit ist, bis das Gold gefördert wird. Andrea Romano hält dagegen. “Wir bleiben am Ball und lassen uns nicht unterkriegen. Immerhin haben wir hier etwas mehr Rechtsstaat als früher.”

Warum er sich so für ein fremdes Land mit so viel Herzblut einsetzte, wird er auch von seinen Freunden ab und an gefragt. Doch etwas nur mit halben Einsatz zu machen und mittendrin aufzugeben, kommt für den 38-Jährigen nicht in Frage. “Ein Köln-Fan bleibt ja auch immer mit Leidenschaft dabei – auch wenn es zwischendurch mal anstrengend und wenig erfolgreich ist”, zieht er einen Vergleich.

Andrea Romano wird weiter kämpfen. Dafür, dass der Kampf ums Gold in Rosia Montana auch in Deutschland bekannter und zu einem Thema wird – und sich auch andere Menschen engagieren. “Viele denken immer: Was geht mich das an? Das liegt doch so weit weg”, hat der Wermelskirchener beobachtet. Das sei aber zu kurz gedacht. “Die Leute denken lieber darüber nach, wo sie eine noch billigere Goldkette für ihre Freundin herbekommen können anstatt sich mit Hintergründen auseinanderzusetzen.”

Gerne steht Andrea Romano deshalb bereit, um Ausstellungen oder Vorträge über Rosia Montana zu organisieren. Auch in seiner Heimatstadt Wermelskirchen.

  • Kontakt zu Andrea Romano per E-Mail an dubl@gmx.de.

DOKUMENTARFILM

2012 kam der Dokumentarfilm “Rosia Montana – Dorf am Abgrund” (78 Minuten) von Fabian Daub in die Kinos, der vor allem die Bevölkerung des Dorfes in den Mittelpunkt stellt. Infos: rosia-montana-thefilm.com. gf

 

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